Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e.V.
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Montag, den 11. Mai 2026 , 9 Uhr -- Göttingen
Schüler übernehmen Verantwortung für den Erhalt der Erinnerungskultur

Foto:Christina HinzmannVon Maximilian Wendland
©2026 Göttinger Tageblatt,mit Genehmigung
Göttingen.Göttinger Schülerinnen und Schüler kämpfen gegen das Vergessen. Am Montagmorgen, 11. Mai, ziehen Lerngruppen und Schulklassen von acht weiterführenden Schulen durch Göttingen und Bovenden. Sie reinigen Stolpersteine. Seit Februar haben Schülerinnen und Schüler von acht Schulen Göttingens die dauerhafte Verantwortung für Gruppen von Stolpersteinen übernommen.
Im Rahmen dieser Patenschaft werden die Stolpersteine nicht nur gepflegt, sondern die Schülerinnen setzen sich intensiv mit den Menschen und ihren Schicksalen auseinander. Die Lebensläufe der Opfer werden im Unterricht eingebracht und die Schülerinnen erstellen Gedenkwände und Biografien für den Aushang in ihren Schulen. Die Initiative soll die Erinnerung an das Leben von Jüdinnen und Juden in Göttingen und ihre Deportation und Ermordung in der NS-Diktatur aufrechterhalten.
„Die Übernahme von Patenschaften unserer Schulen für die Stolpersteine ist ein wichtiges Zeichen gelebter Erinnerungskultur“, sagt Göttingens Kulturdezernentin Anja Krause. „Durch die regelmäßige Pflege der Steine und die Beschäftigung mit den Schicksalen der Opfer übernehmen Schülerinnen aktiv Verantwortung für das historische Gedächtnis unserer Stadt.“ Beteiligt sind die Neue IGS, das Hainberg-Gymnasium, das Max- Planck-Gymnasium, das Felix-Klein-Gymnasium, das Theodor-Heuss- Gymnasium, die IGS Geismar und die IGS Bovenden.
Erinnerungskultur erleben
Die 8B des Theodor-Heuss-Gymnasiums ist Montagmorgen, trotz Dauerregens, in der Roten sowie Weender Straße unterwegs. Begleitet werden sie von ihrem Lehrer im Profilunterricht, Hagen Schweiger. Für den Geschichtslehrer ist das Projekt ein Höhepunkt. „Das ist wirklich toll“, sagt Schweiger. „Nicht abstrakt, sondern lokal und ganz konkret. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert dabei.“
Bereits vor der Putzaktion haben sich die Schülerinnen mit den Menschen hinter den Stolpersteinen beschäftigt. In dem Gymnasium haben sie die persönlichen Geschichten der Opfer ausgestellt und Fotografien der Stolpersteine ausgedruckt, laminiert und am Boden befestigt. „Damit das Thema nicht nur hier draußen, sondern auch in der Schule präsent ist“, erklärt Schweiger.
Auch für die Schülerinnen ist das Ganze „aufregend“, sagt Smilla. „Man lernt etwas über die Menschen und wie sie gelebt haben.“ Die Kinder beteiligen sich engagiert an der Reinigung. „Ich wusste auch gar nicht, dass es das größte Denkmal der Welt ist“, ergänzt Theodor. „Das hier ist auf jeden Fall besser als normaler Unterricht.“
Verantwortung übernehmen für das Erinnern
Das Patenschaft-Projekt wurde von der Stolperstein-AG ins Rollen gebracht und in einem Workshop mit fachkundigen Vertreterinnen Göttinger Schulen weiterentwickelt. Die Stolperstein-AG setzt sich zusammen aus der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, dem Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung und der Stadt Göttingen. Sie ist auch für das Verlegen von Stolpersteinen verantwortlich. Die nächste Aktion wird am 11. Juni stattfinden.
"Die persönlichen Geschichten der
Ermordeten sind eindrücklicher als Opferzahlen"
Prof.Dirk Schumann, Historiker an der Uni Göttingen
Prof. Dirk Schumann vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte derUni Göttingen und Mitglied im Geschichtsverein freut sich, dass die Patenschaft von den Schulen gut angenommen wird. Er sagt: „Die persönlichen Geschichten der Ermordeten sind viel greifbarer und eindrücklicher als Opferzahlen.“ Ende Juni wollen die Beteiligten resümieren, aber bereits heute sei eine Ausweitung auf Northeim und Hann. Münden denkbar, denn auch dort gibt es Stolpersteine.
Was sind Stolpersteine?
Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig zur Erinnerung an die in der NS-Diktatur deportierten und ermordeten jüdischen Menschen. Ein Stolperstein ist ein Gedenkstein aus Messing, der wie ein Pflasterstein vor Häusern verlegt wird, in denen jüdische Bürgerinnen und Bürger ihren letzten frei gewählten Wohnsitz hatten. Dabei werden Name, Geburtsdatum, Ort der Verschleppung und Todesdatum – falls bekannt – in die Messingoberfläche eingraviert. Informationen zu den Opfern des Nationalsozialismus aus der Region Göttingen finden Interessierte im Online-Gedenkbuch der Verfolgten des Nationalsozialismus in der Region Göttingen.
Stolpersteine beschmiert
Ende April waren Stolpersteine in der Düsteren Straße und an weiteren Stellen in Göttingen von Unbekannten beschmiert worden. Die Stadtverwaltung und Mitglieder der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hatten umgehend die Reinigung veranlasst. Zu diesem Vorfall ermittelt nun auch der Staatsschutz. Die betroffenen Steine werden am Dienstag, 12. Mai, noch ein weiteres Mal von den Schülerinnen und Schülern des Max-Planck-Gymnasiums geputzt.
Sonnabend, den 30. Mai 2026 , 17 Uhr -- Reformierten Kirche Göttingen, Untere Karspüle 11

Pressemitteilung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e.V.
Cantigas de Santa Maria und sefardische Lieder aus AL-Andalus Musik der spanischen Renaissance
Das Duo für Gesang (Sabine Loredo Silva) und Harfe (Jessica Breitow) präsentiertJüdische – Maurische – Christliche Lebenswelten
Musik vom Hofe Toledos und der Alhambra
Cantigas de Santa Maria und sefardische Lieder aus AL-Andalus
Musik der spanischen Renaissance
Das Duo für Gesang (Sabine Loredo Silva) und Harfe (Jessica Breitow) präsentiert am Samstag, 30. Mai 2026 um 17 Uhr,
in der Reformierten Kirche Göttingen, Untere Karspüle 11,
eine Auswahl von Liedern aus diesen drei Kulturkreisen,
untermalt mit Texten und Gedichten.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.
Die sefardische Musik von dem Hebräischen „S`fard“, ist die Musik der Juden, die nach der Verbannung aus Judäa (70. u.Z.) nach Spanien flüchteten. Sie spiegelt den kulturellen Austausch zwischen Juden, Christen und Arabern wieder, der im mittelalterlichen Spanien Kunst und Wissenschaft zu Blüte brachte. Die Sprache „Ladino“ auch „Judeo-Espagnol“ genannt, ist eine Mischung aus altspanischen und hebräischen Worten und steht in ähnlicher Beziehung wie das Jiddische zum Deutschen. Die Sepharden waren Mittler zwischen Morgen- und Abendland, übersetzten die Werke der großen Philosophen, befruchteten ihre Religion und Kultur sowie die der Christen mit dem Wissen der arabischen Welt und dem Erbe der Antike.
Der spanische König Alfonso X, auch „Alfonso El Sabio - Der Weise“ genannt, machte
seinen Hof im Toledo des 13. Jahrhunderts zu einem Treffpunkt für Christen, Juden und
Arabern und schuf damit die Basis für ein tolerantes, friedvolles Zusammenleben der
unterschiedlichen Völker und Glaubensrichtungen.
Die „Cantigas de Santa Maria“ - Lieder für die heilige Jungfrau Maria - sind eine der größten Sammlungen von Liedern des Mittelalters, bestehend aus über 400 Gedichten, aufwendig in der Notation verziert, zumeist in Galicisch-Portugiesischer Sprache verfasst. Einige dieser Lieder werden Alfons X zugeschrieben. Er sah in dieser Sammlung ein kulturelles Projekt von großer Bedeutung. Ihre Vollendung nahm den größten Teil seiner Amtszeit in Anspruch (1252-1284). Er sah darin ein wichtiges Mittel für sein politisches Überleben und sein persönliches Seelenheil.
1492 mit Beginn der „Reconquista“, der Rückeroberung der iberischen Halbinsel durch die katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón, wurde Spanien wieder christlich und die Mauren und Juden mussten das Land verlassen und wurden in die Verbannung geschickt
Dienstag, den 28. April 2026 -- Online
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