zurück zur Liste

archivierte Ankündigung:

Veranstaltung

Freitag
den 20. April 2018
18 Uhr
 
ZHG (Zentrales Hörsaalgebäude der Universität)
Platz der Göttinger Sieben 5 Raum 004

Der Fußballplatz als "neue Synagoge" - Sport und seine Bedeutung im Alltagsleben deutscher Juden in der NS-Zeit


Vortrag von Dr. Henry Wahlig (Sporthistoriker/ Deutsches Fußballmuseum)

Bereits im Frühjahr 1933 begannen bürgerliche Sportorganisationen in vorauseilendem Gehorsam mit dem Ausschluss ihrer jüdischen Mitglieder. Sportinteressierte Juden konnten sich fortan nur noch jüdischen Vereinen anschließen. Trotz täglicher Diskriminierungen im NS-Staat erlebten die Organisationen in den folgenden Jahren einen nominellen Aufschwung: Mitte der 1930erjahre gehörten knapp 50 000 Juden einem Sportverein an, damit zählten die Klubs zu den mitgliederstärksten Organisationen des jüdischen Lebens in NS-Deutschland.

Die historische Forschung hat sich bis heute kaum mit diesem Aspekt der deutsch-jüdischen Gesellschaftsgeschichte auseinandergesetzt. Henry Wahlig referiert über seine Forschung zur Bedeutung des Sports für das jüdische Alltagsleben im NS-Staat.

Soviel vorweg: Die Ergebnisse verweisen auf ein Paradoxon:

Auf der einen Seite fungierte Sport als Antreiber des gesellschaftlichen Ausgrenzungsprozesses der Juden, auf der anderen Seite wurde er zur selben Zeit innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu einem Eckpfeiler der Selbstbehauptung, der neue Identität und Selbstbewusstsein vermittelte.

Dr. Henry Wahlig ist Sporthistoriker und verantwortet das Kultur- und Veranstaltungsprogramm des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund.