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09.11.2017: Gedenken an Reichspogromnacht in Göttingen-- Göttinger Tageblatt v. 12.11.2017

Von Peter Krüger-Lenz | 12.11.2017 © 2017 Göttinger Tageblatt

In diesem Jahr steht die Gedenkfeier unter dem Titel „Tosendes Schweigen. Die Verfolgung Göttinger Wissenschaftler im Nationalsozialismus“.
Quelle: Christina Hinzmann

Einige Hundert Menschen haben sich am Donnerstagabend zur Gedenkstunde am Mahnmal der zerstörten Synagoge an der Kreuzung Obere und Untere Maschstraße eingefunden. Die Veranstaltung war unter dem Titel „Tosendes Schweigen“ verfolgten Wissenschaftlern im Nationalsozialismus gewidmet.

Göttingen. „Am Ort der zerstörten Synagoge“ sei man zusammengekommen, erklärte Bettina Kratz-Ritter von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Dass Mahnmal an diesem Ort hatte die Stadt Göttingen 1973 errichten lassen.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) erinnerte daran, dass mit den November-Pogromen die Menschen jüdischen Glaubens nicht mehr nur drangsaliert worden seien, sondern ihr Leben bedroht war, „als das Land seine Scham verlor“. Die Gleichschaltung an den Universitäten sei da schon längst im Gange gewesen. Vor allem Mitglieder kirchlicher Gemeinden, Oppositionelle und Menschen jüdischen Glaubens seien in Gefahr gewesen. Wissenschaftler wie der Physiker Max Born seien davongejagt worden, sagte Köhler. Die Kollegen und Bürger der Stadt hätten dabei mitgemacht. Das sei „ein Kapitel, das wir nicht tilgen wollen und können“, so Köhler. Göttingen sei eine Stadt der Vielfalt, in der Rassismus keinen Platz habe. Dies müsse betont werden in einer Zeit, in der Menschen mit zweifelhafter Gesinnung in die Parlamente und Gremien einzögen.

Gedenken and die Reichsprogromnacht in Göttingen Zur Bildergalerie →

Geschichtsstudenten der Georg-August-Universität bei Prof. Dirk Schumann erinnerten an sechs Forscher – stellvertretend für 95 Wissenschaftler der Georgia Augusta, die ihre Professuren oder gar ihr Leben verloren. So zitierten sie die Sekretärin des Experimentalphysikers James Franck, der 1925 den Nobelpreis erhalten hatte. Sieben Professoren der Göttinger Universität waren im Jahr 1933 gerade entlassen worden, man wartete auf eine Welle der Solidarität. Doch nichts geschah. Franck trat zurück und emigrierte. 41 Professoren reagierten mit Anfeindungen.

Ebenfalls ins Ausland musste Emmy Noether gehen. Weil sie als herausragende Mathematikerin galt, erhielt sie eine Reihe von Empfehlungen für die Anmeldung ihrer Habilitation – die erst im zweiten Versuch gelang. Sie habilitierte sich als erste Frau in Göttingen, eine jüdische Professorin, die der Sozialdemokratie nahestand.

Der Psychologe Heinrich Düker war seit 1926 Mitglied im Internationalen sozialistischen Kampfbund und engagierte sich gegen die Nationalsozialisten. Er wurde 1936 verhaftet und drei Jahre inhaftiert. Nach seiner Entlassung erhielt er eine Stelle in Berlin, wurde aber 1944 in Göttingen denunziert. 1945 wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Er überlebte. Nach dem Krieg wurde er rehabilitiert und 1946 zum ersten Oberbürgermeister Göttingens gewählt.

Bernhard Zimmermann, ein Pionier der Sportwissenschaften, musste emigrieren, weil seine Frau jüdischen Glaubens war. Der Psychologe Felix Stern brachte sich um, als die Deportation drohte. Der Forstwissenschaftler Otto Reis starb im KZ Majdanek oder schon auf dem Weg dorthin. Ihn hatten braune Studenten und Wissenschaftler aus der antisemitisch geprägten Forstakademie vertrieben. Mit dem Kaddisch, dem Totengebet, endete die Gedenkstunde sehr berührend.

04.11.2017: Erinnerung an Göttinger Wissenschaftler -- Göttinger Tageblatt v. 04.11.2017

Von Vera Wölk | 04.11.2017 © 2017 Göttinger Tageblatt

(v.l.) Eric Angermann, Jennifer Stümpel, Julia Kopp und Eca Klay besprechen mit Prof. Dirk Schumann die Texte.

Die zentrale Gedenkveranstaltung am Synagogen-Mahnmal am Donnerstag, 9. November, wird in diesem Jahr von Geschichtsstudenten der Universität Göttingen gestaltet. Die Feier wird ausgerichtet von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Stadt Göttingen.

Göttingen. Die Gedenkveranstaltung, die an die Zerstörung der Synagoge beim Novemberpogrom 1938 erinnert, steht unter der Überschrift „Tosendes Schweigen. Die Verfolgung Göttinger Wissenschaftler im Nationalsozialismus“. Die Geschichtsstudenten, die die Feier mit Prof. Dirk Schumann vorbereiten, wollen am Beispiel von sechs Wissenschaftlern die Schicksale von Wissenschaftlern im Nationalsozialismus aufzeigen. Sie haben dafür Emmy Noether, Bernhard Zimmermann, Heinrich Düker, Felix Stern, Otto Reis und Richard Falck ausgewählt.

„Bei der Auswahl war uns wichtig, dass anhand der Beispiele verschiedene Arten der Verfolgung aufgezeigt werden“, sagen die Studenten. Außerdem handele es sich bei den Beispielen um Persönlichkeiten, die für die Göttinger Universität prägend gewesen seien. So etwa Bernhard Zimmermann, der den Hochschulsporttag Dies ins Leben gerufen habe.

Bereits vor zwei Jahren haben die Studenten mit Schumann die Gedenkveranstaltung gestaltet. Dadurch seien sie bereit gewesen, erneut mitzuwirken. „Wir haben ein besonderes Interesse an diesem Themenbereich“, sagen sie. Derzeit arbeiten die sechs Studenten mit Schumann intensiv an den Texten, die sie am 9. November verlesen wollen. „Wir haben eine Pflicht zur Erinnerung an die damalige Zeit“, sagt Schumann. Sich auf Biografien zu konzentrieren sei entschieden worden, da so die Schicksale für die Zuhörer eindringlicher seien. Sie wollen insbesondere die Lebenswege, Leistungen und die Verfolgung der Wissenschaftler hervorheben. „Insbesondere wegen der momentanen politischen Umstände ist es wichtig, dass wir die Menschen für das Thema sensibilisieren“, sagt Schumann.

Die zentrale Gedenkveranstaltung in Göttingen beginnt um 18 Uhr am Synagogen-Mahnmal, Platz der Synagoge. Während dieser wird auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) einige Worte sprechen. Die musikalische Begleitung übernehmen die Vokal-Art Chöre unter Leitung von Michael Krause.

Die Vorbereitung für den 9. November ist aber nur ein Teil des Gedenkens. Denn am Sonnabend, 18. November, soll am Aulagebäude am Wilhelmsplatz eine Gedenktafel für alle Göttinger Wissenschaftler, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden, enthüllt werden. „Die rund 100 Namen werden nach Fakultäten geordnet auf der Tafel zu lesen sein“, berichtet Schumann.

21.06.2017: Verdienstmedaille für Göttinger Theologin Dr. Bettina Kratz-Ritter

22.06.17 07:30, Copyright © HNA

Auszeichnung: Stadträtin Petra Broistedt (rechts) überreichte Dr. Bettina Kratz-Ritter die Verdienstmedaille. Foto © HNA, Schlegel

Göttingen. Hohe Ehrung für Dr. Bettina Kratz-Ritter: Die evangelische Theologin ist nun Trägerin der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Stadträtin Petra Broistedt überreichte der 59-Jährigen die hohe Auszeichnung am Mittwoch im Neuen Rathaus. Die Göttingerin erhielt die Ehrung für ihr Engagement für die Verständigung zwischen Chisten und Juden. Broistedt lobte die vielfältige Arbeit der Göttingerin, die seit 1996 in der Uni-Stadt lebt. Seit 2001 hat die Theologin ein eigenes Verlagsbüro in Göttingen.

„Das jüdische Leben fand in meiner Kindheit nicht statt“, sagte Kratz-Ritter. Von 1982 bis 1994 lebte sie in Zürich und kam dort mit der jüdischen Kultur in engen Kontakt.

Nach dem Umzug nach Göttingen wurde sie 1996 Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, an deren Spitze sie von 2000 bis 2008 stand.

Seit 2012 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft und für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Schulprojekte verantwortlich. Außerdem gibt die Alexanderpreisträgerin, die auch die Gedenkstunden zur Pogromnacht organisiert, seit dem Jahr 2000 die Schriftenreihe der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit heraus. Weiterhin engagierte sie sich für den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde und der Synagoge in Göttingen.

Stolpersteine
Ein großes Anliegen sind ihr zudem die Stolpersteine, die an das Schicksal von jüdischen Bürgern im Göttinger Straßenbild erinnern.

Seit 2016 engagiert sich Dr. Kratz-Ritter im Vorstand des deutschen Koordinierungsrates, dem bundesweiten Dachverband der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

15.06.2017: Geistliche Musik und israelischer Bibel-Pop

Israelische Popmusik und Gesänge aus dem Gottesdienst, kraftvolle jiddische Lieder sowie jüdische Hochzeitsmusik aus der Türkei: Einen breiten Bogen spannten „Die Drei Kantoren“ aus Berlin während ihres mitreißenden Konzerts am Donnerstag in der reformierten Kirche in Göttingen.

Von Michael Caspar | 16.06.2017 © 2017 Göttinger Tageblatt


Quelle: Bänsch

Göttingen. Wie in einer Sportarena erheben sich die Sitzreihen in Göttingens calvinistischem Gotteshaus an der Unteren Karspüle 11. 100 Bürger wollten die Musiker hören, die teils aus Israel stammen, teils dort studiert haben. 2013 fand sich die Gesangsformation zusammen, um beim Jahresempfang der israelischen Botschaft in Berlin für Unterhaltung zu sorgen. Die drei Gründungsmitglieder studierten damals an der Kantorenschule des Abraham-Geiger-Kollegs, das zur Universität Potsdam gehört.

„Kantoren spielen im jüdischen Gottesdienst eine wichtigere Rolle als der Rabbi“, führte Sänger Assaf Levitin (Bass) aus. „Das Amt hatte einst einen so hohen Stellenwert in der Gesellschaft, dass die Kantoren von den Steuer befreit waren“, ergänzte Jaqueline Jürgenliemk, die Vorsitzende der liberalen Jüdischen Gemeinde. Die Gemeinde richtete das Konzert gemeinsam mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit aus.

Schöne Äpfel im Garten

„Mit dem Arrangement von israelischen Pop-Songs haben wir 2013 begonnen“, erklärte Levitin. Die Stücke hätten fast alle einen religiösen Bezug. Liebeslieder israelischer Popmusiker griffen oft Bilder aus dem Hohelied der Bibel auf, in dem ein Mann seine Geliebte besingt. Vom Wind, der die schönen Äpfel in Garten streichelt, handelte eines dieser Stücke, das die drei Sänger mit ihren vollen, raumfüllenden Stimmen vortrugen.

Typisch für israelische Popmusiker, so Levitin, sei das Vertonen von Gedichten. „Das wäre so, als ob in Deutschland Rammstein Texte von Friedrich Schiller sänge“, erklärte Sänger Amnon Seelig (Bariton). Yehudit Ravitz komponierte etwa die Musik zu einem Gedicht von Leah Goldberg über einen, „der nicht glaubt“. Levitin: „Der Zweifel ist Teil der jüdischen Tradition.“ Zu den Popstücken zählte ferner eine Lobeshymne auf den Wassersprenger, der die Wüste zum Erblühen bringt. Dessen Geräusche ahmten die Kantoren zur Freude des Publikums lautmalerisch nach.

Ergreifend im Leichengewand

A cappella trugen die Sänger die Eröffnungssätze des Morgengebets vor. Sie priesen die „gesegnete Königin“, den Ruhetag Schabbat. In einem anderen Lied dankten sie den „Engeln des Friedens“, die sie am Schabbatabend auf dem Rückweg von der Synagoge beschützt hatten. Ergreifend waren die Lieder, die zu Jom Kippur, dem Fasten- und Bußtag, in der Synagoge erklingen. Gekleidet in ein Leichengewand bitten Juden Gott um Vergebung der Sünden. Vom Komponisten Maurice Ravel erklang dessen Kaddisch, das Totengebet.

Doch das Repertoire der Gruppe, zu der noch Tal Koch (Tenor) und Naama Wagner (Klavier) zählen, reichte weiter. Das Publikum hörte ein jüdisches Hochzeitslied zu einer traditionellen türkischen Melodie, dass die Sänger mit Schwung vortrugen. Sie interpretierten sephardische Musik, Stücke der Juden, die einst aus Spanien vertrieben worden waren. Orientalisch war ein Stück aus dem Jemen. Mit erhobenen Händen sangen die Kantoren ein mitreißendes Lied der Chassiden, der Ultraorthodoxen, die das Kommen des Messias noch in diesem Jahr herbeisehnen.

28.02.2017: Willen bleibt Vorsitzender

Während der Mitgliederversammlung ist der geschäftsführende Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen für vier Jahre im Amt bestätigt worden. Vorsitzender bleibt Heiner J. Willen, seine Stellvertreter sind Dr. Bettina Kratz-Ritter und Prof. Thilo Rudnig.

Von Jörn Barke | 28.02.2017 © 2017 Göttinger Tageblatt

Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.
Thilo Rudnig, Bettina Kratz-Ritter und Heiner J. Willen (v. l.).
Quelle: R -- Foto © Susanne Rudnig-Zelt

Göttingen. Darüber hinaus wurden drei neue Beisitzer in den Vorstand gewählt: der Student Domenik Ackermann als neuer Schatzmeister, die Molekularbiologin Ruth Geiß-Friedlander, die auch im Vorstand der Jüdischen Gemeinde mitarbeitet, und Lehrer Sönke Jaek vom Otto-Hahn-Gymnasiums als Verbindungsmann zu den Schulen. In ihren Ämtern als Beisitzer wiedergewählt wurden Wilhelm Gerhardy, Hans R. Haase und Laura V. Schimmelpfennig.


Neue Beisitzer im Vorstand der GCJZ

© 2017 Katholisches Dekanat Göttingen

28.02.2017

Geschäftsführender Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Amt bestätigt.

Die Mitgliederversammlung 2017 der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) hat drei neue Beisitzer in den Vorstand gewählt: den Studenten Domenik Ackermann als neuen Schatzmeister, die Molekularbiologin Dr. Ruth Geiß-Friedlander aus Northeim, die auch im Vorstand der Göttinger Jüdischen Gemeinde mitarbeitet, und OStR Sönke Jaek vom Otto-Hahn-Gymnasium als Verbindungsmann zu den Schulen. In ihren Ämtern als Beisitzer wiedergewählt wurden Wilhelm Gerhardy, Hans R. Haase und Laura V. Schimmelpfennig.

Der geschäftsführende Vorstand wurde ohne Gegenstimme für vier Jahre bestätigt: Heiner J. Willen als Vorsitzender, sowie Dr. Bettina Kratz-Ritter und Prof. Dr. Thilo Rudnig als stellvertr. Vorsitzende

4.Februar 2017: Alexander-Stiftung verleiht vier Preise

Ausgezeichnete Geschichte

n.b: Dies ist eine gekürzte Fassung. Zum Original, hier klicken →

Einmal im Jahr wird der Alexanderpreis verliehen. Die Auszeichnung wird für journalistische Arbeiten vergeben, die sich mit der Geschichte der Stadt und der Region beschäftigen. Vier Preise hat der Vorsitzende der Alexander-Stiftung, Jens Wortmann, am Sonnabend im voll besetzten Keller des Deutschen Theaters überreicht.

Von Britta Bielefeld | 07.02.2017 © 2017 Göttinger Tageblatt


Alexander-Preis: die Preisträger 2017. Quelle: Heller


Göttingen. Den ersten Platz teilen sich sechs Autoren, die gemeinsam den Beitrag "Verfolgt – Vergessen: Das Judenhaus Weender Landstraße 26 und seine BewohnerInnen“ erarbeitet haben: Eric Angermann, Eva Klay, Julia Kopp, Jan C. Oestreich, Jennifer Stümpel und Tobias Trutz haben dieses Broschüre für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Göttingen erstellt. Laudator und Jury-Mitglied Wolfgang Just skizzierte kurz die in dem Beitrag aufgearbeitete Geschichte des Judenhauses, das 1968 abgerissen wurde. Seit dem vergangenen Jahr erinnert dort eine Stele mit den Namen der Bewohner an ihr Schicksal.
(Weitere Informationen hierzu im Heft 6 der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Göttingen →)

Der Preis geht zurück auf den Journalisten Wolfgang Alexander (1926-1988). Der Redakteur der Göttinger Monatsblätter verfügte, dass preiswürdige Texte „betont journalistisch sein, das heißt wahrheitsgetreu, aktuell, dadurch, dass fast vergessene und bisher übersehene Themen aufgegriffen werden.“ (Mehr Information zum Alexanderpreis hier →)

29.Januar.2017: Konzert zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Mit Elementen von Jazzmusik

Jüdische Synagogalmusik erklang am Sonntag in der vollbesetzten Johanniskirche. Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sang ein Projektchor fünf Psalmvertonungen von Louis Lewandoski. Dazu gab es Musik von Mendelssohn, Weill, Sulzer und Ullmann.

Von Michael Schäfer | 02.02.2017 © 2017 Göttinger Tageblatt


Quelle: r

Göttingen. Organisiert hatte diesen „Projektchor Synagogalmusik“ die Göttinger Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Seit dem ersten Projekt dieser Art 2014 gab es immer mehr Zuspruch in der Öffentlichkeit. Neben den Kirchenbänke mussten zusätzliche Klappstühle aufgestellt werden, um den Besucheransturm zu bewältigen.

Die fünf Psalmvertonungen von Louis Lewandowski (1821-1894), dem Kantor der Neuen Synagoge in Berlin, bildeten den Schwerpunkt des Programms: schlichte, tief empfundene Chorsätze mit Orgelbegleitung. Eine Orgel wurde 1810 erstmals in Seesen in einer Synagoge benutzt, eine Reformidee, die allerdings nicht von orthodoxen, sondern nur von liberalen jüdischen Gemeinden gutgeheißen wurde.

Doch zeigte die Aufführung unter der spannungsreichen, dynamisch differenzierten Leitung von Antonius Adamske deutlich die hohen Qualitäten dieser Musik, die große Ähnlichkeiten mit Mendelssohns Kirchenmusik aufweist. Besonders bewegend geriet das auf Psalm 92 beruhende „Psalmlied für den Sabbat-Tag“ von Salomon Sulzer (1804-1894), der in Wien als jüdischer Kantor wirkte und in seiner Musik Schubert verpflichtet ist.

Ergänzt wurde das Programm durch zwei Werke des 20. Jahrhunderts. „Kiddush“ heißt ein Segensspruch, der jüdische Feiertage einleitet. Kurt Weills Vertonung lässt Elemente von Jazzharmonik durchscheinen, die gleichwohl nirgends den Ernst dieser Komposition einschränken. Vom 1944 in Auschwitz ermordeten Viktor Ullmann waren zwei hebräische Chöre zu hören, die gerade in ihrer Schlichtheit besonders eindringlich wirkten.

Der Chor hatte sich gründlich auf dieses Konzert vorbereitet, dem die Solistin Charlotte Diekmann mit ihrem unangestrengt locker fließenden Sopran Glanzlichter aufsetzte. Zuverlässiger Begleiter des Chores an der Orgel war Robin Hlinka. Er bereicherte das Programm mit der selbstbewusst gestalteten vierten Orgelsonate von Mendelssohn. Die Zuhörer klatschten ausgiebig.

9. November 2016: Gedenken an die Opfer der Pogromnacht

06. November 2016: Enthüllung der neuen Gedenkstele an der ehem. Weender Landstr. 26

11. September 2016: Exkursion zur Gedenkstätte Ahlem und der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover

12. Februar 2016: 11 Weitere Stolpersteinverlegungen in Göttingen

9. November 2015: "Verdrängt, verfolgt, vergessen" — Erinnerung an den 9. November 1938

20. Januar 2015: Nachrichten aus dem Dekanat Göttingen — Spenden für Flüchtlinge

14. Dezember 2014: Fans ehren jüdischen Göttinger Fußballer Katz

12. Dezember 2014: Späte Ehrung für jüdischen Fußballer Ludolf Katz

9. November 2014: Fans des SC Göttingen erinnern an Reichspogromnacht

28. Oktober 2014: In schöne Melodien gekleidet — der "Projektchor Synagogalmusik"

25. Oktober 2014: Ein Jude in Schwarz und Gelb

26. Juli 2014: Aufruf gegen antijüdische Hetze

16. Juli 2014: Platz der Synagoge — 05-Anhänger reinigen Mahnmal in Götingen

02. Juli 2014: Die Stellung der Hannoverschen Landeskirche zum Judentum

09. November 2013: Für Frieden und Freiheit — 75. Jahrestag der Pogromnacht

22. September 2013: Tagesfahrt nach Goslar

14. September 2013: Der Rat der Stadt Göttingen unterstützt die Verlegung von „Stolpersteinen“

09. April 2013: Initiative für den Jüdischen Friedhof Geismar

13. Oktober 2012: Die andere Fachwerk-Synagoge

05. Juni 2012: „Lokaltermin“ gut angenommen